Im Jahr 2005, als dem einst größten Industriebezirk Westberlins weithin die Zukunft abgesprochen wurde, haben wir die Bürgerstiftung Neukölln gegründet. Meine Hoffnung war: „Wer stiftet, desertiert nicht!“
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Ein Teil der Stifterinnen und Stifter

2003 war ich vom Kulturnetzwerk Neukölln und dem lokalen Bündnis für Wirtschaft und Arbeit als Stiftungskoordinator angestellt und mit den konzeptionellen Vorbereitungen betraut worden. Mit 102 Stifterinnen konnten wir dann im Herbst 2005 die Gründung feiern: Einzelpersonen, Vereine, Unternehmen, Schulen, Mieter- und andere Initiativen, Hauseigentümer, Migrantenorganisationen, Kirchengemeinden hatten sich zusammengefunden und Stiftungskapital gezeichnet.

"Neukölln plus": Wir alle dachten von den Potenzialen her und sahen in den Menschen aus 163 Herkunftsländern den besonderen Reichtum des Bezirks. Deshalb wollten wir durch alles, was die Stiftung tun würde, vorrangig das multiethnische Zusammenleben fördern. In Zeiten des realen und des unbarmherzig immer noch schlimmer zugeschriebenen Niedergangs brauchte es diese Zweckbestimmung, um zu mobilisierten und zusammenzuführen.

Im Übrigen bereicherten wir nicht nur den Bezirk, sondern zuerst uns selbst: Beim Entwickeln von Projekten lernt man sich näher kennen, im Handeln kommt es zum Gespräch. Diese Gespräche haben wir auch deshalb als Bereicherung erlebt, weil die Partner aus ganz verschiedenen Welten kamen: kulturell, professionell, sozial, weltanschaulich. Jeder hatte seine besondere Geschichte, jede hatte ihre Lebenserfahrung, alle hatten wir je eigene gesellschaftliche Visionen. Im Austauschen und praktischen Verdichten entwickelten wir den Neuköllner Sinn der Stiftung.



Noch im Gründungsstadium erregten wir Aufmerksamkeit: Wir erhielten 2004 von den deutschen Volks- und Raiffeisenbanken den Innovationspreis der Aktiven Bürgerschaft. Und 2005 wurde uns beim Wettbewerb des Bündnisses für Demokratie und Toleranz, zu dem immerhin 420 Bewerbungen eingegangen waren, einer der neun Hauptpreise verliehen.

Nach der Gründung wurde ich zum Geschäftsführer berufen. Zusammen mit dem Vorstand und vielen engagierten Stiftern gelang es, die Stiftung in den folgenden Jahren stetig auszubauen (vgl. dazu „Innovatives Neukölln: die Bürgerstiftung“. Vortrag).

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Im Gespräch

Inzwischen gehört die Bürgerstiftung Neukölln zum Urgestein der deutschen Bürgerstiftungsbewegung und gilt als beispielgebend für interkulturelle und multiethnische Stiftungsarbeit an der gesellschaftlichen Basis - da, wo das Leben spielt und wo unser aller Integration über's gelingende Zusammenleben entscheidet.

Nachdem ich mich 2009 selbstständig gemacht habe, engagiere ich mich bei N+ nach wie vor finanziell und als Mitglied der Stiftungsversammlung.

Vor allem habe ich das Interviewprojekt mit StifterInnen weiter vorangetrieben: vgl. hier.

In ihrem zweiten Jahrzehnt ist die Stiftung weit über ihre Anfänge hinausgewachsen. Die hervorragend aufgemachte Website gibt Auskunft über die Entwicklung und die mannigfaltigen Projekte der Bürgerstiftung Neukölln. Für Zustiftungen und für Spenden ist die Stiftung nach wie vor sehr dankbar.

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Die Stiftung benötigt Geld