Bei diesem Forschungsprojekt geht es um die Begegnung eines französischen Benediktinerinnen-Ordens mit der traditionalen vor-christlichen Dorfgemeinschaft der Rhadés („Kinder des Himmelsherrn“) auf dem memoires avenirHochplateau von Vietnam in den Jahren 1954 bis 1975.

Seitens der Ordensgemeinschaft war Mère Colomban (Françoise Demeure) die francoise demeuretreibende Kraft in diesem Begegnungs-Prozess, der dank beidseitiger geduldiger Beobachtung und zunehmender Wertschätzung nicht in einen clash der Kulturen und Religionen umschlug, sondern zu einem solidarischen Zusammenleben zwischen katholischen Europäerinnen und anzestralem Waldvolk führte.

Dieses Zusammenleben unter den gemeinsam erlittenen Bedingungen des Krieges und des US-amerikanischen Bombenterrors hat zu einer wechselseitigen Transformation geführt, die Françoise Demeure auf mehr als 700 Seiten detailliert beschrieben hat: „Mémoires d’Avenir. La fondation à Ban Me Thuot. Vietnam 1954-1974.“
Prof. Dr. Jérémy Jammes, französischer Anthropologe, der derzeit am Institute of Asian Studies, Universiti Brunei Darussalam, lehrt, arbeitet an der Herausgabe einer kritischen Edition.

In meiner Mitarbeit an dieser Publikation interessiert mich besonders die Frage nach dem mentalen und sozialen Transformationsprozess: Welche Begegnungs-„Dynamik“ vermochte das biblische Zeugnis bei den ihrerseits "traditionalen" Ordensfrauen freizusetzen, so dass dieses in der Benediktischen Regel nicht vorgesehene und von einem kolonial und herrschaftstheologisch geprägten französisch-vietnamesischen Katholizismus damals faktisch untersagte „Abenteuer der bedingungsfreien Begegnung“ in der Nachfolge des sich entäußernden Christus überhaupt erst möglich wurde?
Die Arbeit dieser vier Nonnen darf als ein frühes Beispiel von „Befreiungstheologie“ begriffen werden.

Zwei Jahre nach ihrer erzwungenen Rückkehr aus Vietnam habe ich Françoise Demeure 1977 kennengelernt und bin ihr seither freundschaftlich und theologisch verbunden.

Françoise Demeure, 94 Jahre, lebt in Paris, seit 2016 erneut im dortigen Kloster Sainte Bathilde.